NABU-Spachbrücken
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Die Bekassine - Vogel des Jahres 2013

Steckbrief

Aussehen:

Wenn die Bekassine aus der Deckung tritt, bewegt sie sich meist geduckt. Dabei kommen ihr der untersetzte Körper und die kurzen Beine zugute. Nur ein geübter Beobachter erkennt die Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen.

Unter den Schnepfen ist die Bekassine eine mittelgroße Art. Von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende misst sie zwischen 23 und 28 Zentimeter. Der mit sieben Zentimetern überproportional lange und gerade Schnabel ist ihr auffälligstes Kennzeichen. Die hellen Streifen an Kopf und Oberseite unterscheiden sie von anderen Schnepfenarten. Weil sie sich in ihrem typischen Lebensraum so gut zu verstecken weiß, können wir der Bekassine am besten anhand ihrer Stimme auf die Spur kommen. Fühlt sie sich bedrängt, so ruft sie „ätsch“ und fliegt im Zickzack mit rasend schnellem Flügelschlag davon. Dabei ist ihr rotbrauner Schwanz mit den hell abgesetzten Schwanzkanten zu sehen. Der heisere Laut klingt wie ein aus dem Sumpf gezogener Gummistiefel oder bei einem zweisilbigen „käätsch“ wie ein unterdrücktes Niesen. Sitzt sie auf ihrer Singwarte, also auf einem Zaunpfahl, Stamm oder Mast, oder gleitet sie im Flug nahe am Boden dahin, so ruft sie „tick-a tick, tick-a“. Manch einer versteht auch „plicka-plicka-plicka“. Dass sie gerade über ihrem Brutrevier segelt, ist an dem schnellen und ausdauernden „tük-ke“ oder „tick-up“ zu erkennen.

Stimme:

Während ihres Balzfluges können wir Bekassinen-Männchen lautstark „wummern“ hören. Was für Laienohren wie Meckern klingt und den Volksmund zu fantasievollen Namen beflügelte, bezeichnen Ornithologen als Instrumentallaut. Er entsteht durch den Wind beim Sturzflug, wenn der Vogel die beiden äußeren Schwanzfedern abspreizt. Das kann wie „huhuhu“ klingen und mag einigen Menschen in den hellen Nächten, in denen die Bekassine aktiv ist, ziemlich unheimlich vorkommen. Auf die Bekassinen-Weibchen jedoch wirken die lautstarken Männchen besonders attraktiv.

Verbreitung:

Das Verbreitungsgebiet der Bekassine erstreckt sich von Island, den Faröer-Inseln, den Britischen Inseln sowie den Azoren auf das eurasische Festland nach Süden bis Südfrankreich, Norditalien und das südöstliche Europa. Ostwärts reicht es weit über Europa hinaus bis Kamtschatka, zu den Bering-Inseln und den Kurilen. Nordwärts brüten Bekassinen bis ans Nordkap.


Für Gesamt-Europa schwanken aktuelle Schätzungen zwischen 930.000 und 1,9 Millionen Brutpaaren. Zwei Drittel des mitteleuropäischen Bestandes von etwa 24.000 bis 45.000 Paaren leben in Polen. In den 1970er Jahren galt die Bekassine noch als „verbreiteter“ Brutvogel. Allein in Schleswig-Holstein gab es damals noch mehr als 10.000 Brutpaare. Inzwischen ist in fast allen europäischen Ländern ein Rückgang erkennbar. Je weiter man sich vom Meer ins Binnenland begibt, desto isolierter sind die Vorkommen der Bekassine.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Dank umfassender Artenschutzmaßnahmen steigen die Populationen in einigen Gebieten langsam wieder an.

Lebensraum:

Über viele Jahrhunderte hinweg waren Moore der Inbegriff einer bedrohlichen Wildnis. Im Zuge des technischen Fortschritts legte man viele Moore trocken und machte sie urbar. Heute gehören sie zu den am stärksten gefährdeten Ökosystemen Deutschlands mit einer beeindruckenden Tier- und Pflanzenvielfalt. Viele „Spezialisten“, die zeitweise oder ganzjährig auf Feuchtigkeit angewiesen sind, können nur hier überleben. Charakteristisch für unsere Moore sind Torfböden, die Wasser speichern wie ein Schwamm. Für viele Vogelarten dienen sie als wichtige Rast- und Brutplätze, denn die wasserreiche Umgebung schützt sie vor Fressfeinden. Die lockere obere Moorschicht steckt zudem voller Leben und ist ein reich gedeckter Tisch – ideal zur Nahrungssuche für viele Schnepfenarten wie die Bekassine.

Grünland ist nicht gleich Grünland. Heute werden 90 Prozent des Grünlandes in Deutschland intensiv bewirtschaftet. Dort findet die Bekassine schon lange keine geeigneten Lebensbedingungen mehr. Wenn sie ihre Brut beginnt, sind die gedüngten und mit besonders ergiebigen Grassorten bestandenen Flächen bereits zu dicht und hoch gewachsen. Da viele Flächen zudem entwässert werden, mangelt es auch an Überflutungen. Die Bekassinen starten noch nicht mal einen Brutversuch. Sollten sie es doch wagen, bleibt der Erfolg die Ausnahme. Denn die Mahdtermine sind oft zu früh angesetzt, als dass die Bekassine die Brut schon abgeschlossen haben könnte. So werden ihre Nester durch Traktoren und Mähwerke zerstört. Auch zu hohe Viehdichten auf den Weiden tragen ihren Teil dazu bei.

Bekassinen brüten nur auf strukturiertem Feuchtgrünland mit unterschiedlich hoher Vegetation. Zwischen Sumpfdotterblumen, Wiesenschaumkraut und der seltener werdenden Bach-Nelkenwurz können sie sich gut verstecken. Die Flächen werden meist extensiv genutzt und die Mahd zeitlich angepasst. So können die Vögel im Schutz der Vegetation ihre Jungen aufziehen und in den artenreichen Wiesen und Weiden ausreichend Insekten finden. Außerhalb von Schutzgebieten und renaturierten Flächen treffen die Vögel kaum noch diese Bedingungen an.

Quelle: http://www.nabu.de