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Der Mauersegler - Vogel des Jahres 2003

Foto: NABU/A. Limbrunner, Dachau

Nach dem Haussperling haben NABU und LBV (Landesbund für Vogelschutz) 2003 einen weiteren typischen Bewohner der Siedlungsräume zum Vogel des Jahres gekürt.

Wie auch schon der Spatz steht der Mauersegler (Apus apus) ganz im Zeichen der Kampagne "Nachbar Natur. Ökologische Konzepte für Städte und Dörfer" und macht stellvertretend für viele andere Tiere auf die ökologischen Probleme unserer Dörfer und Städte aufmerksam.

Der Mauersegler ist in seinem Bestand derzeit nicht akut bedroht, doch leidet auch er unter Wohnungsnot: Alte Häuser werden saniert und neue gleich hermetisch abgeriegelt, so dass es zunehmend an Nistmöglichkeiten mangelt. Als langlebiger, ortstreuer Vogel kehrt er noch viele Jahre in die Gegend seines Brutplatzes zurück und der Mensch gewinnt den Eindruck, alles sei beim Alten. Findet der Mauersegler an diesen Stellen jedoch keine Nistplätze mehr vor, wird sich sein Bestand ohne Nachwuchs auf Dauer verringern und der Mauersegler langsam aus unseren Städten und Dörfern verschwinden. NABU und LBV möchten im Kampagnenjahr aber nicht nur auf die Gefährdung des Mauerseglers aufmerksam machen und Schutzmaßnahmen vorstellen, sondern auch einen außergewöhnlichen Vogel unserer Städte und Dörfer ein wenig bekannter machen: Denn wer weiß schon, dass Mauersegler fast ihr gesamtes Leben rastlos in der Luft verbringen? Dass sie als Langstreckenzieher jedes Jahr rund 190.000 Kilometer zurücklegen, und dass diese Luftakrobaten gar nicht mit den Schwalben verwandt sind?

Der Mauersegler (Apus apus)


Steckbrief

Der Mauersegler (Apus apus) gehört zur Familie der Eigentlichen Segler (Apodidae), zu der in Deutschland nur eine weitere Art zählt: der Alpensegler, der nur in der Gegend von Freiburg im Breisgau brütet. Beide Arten sind Zugvögel.
Zusammen mit den Baumseglern (Hemiprocnidae) bilden die Apodidae die Nichtsingvogelgruppe der Segler (Apodiformes), die weltweit 70 Arten umfasst.

Name:

Der Name "Mauersegler" ist auf dessen Verhalten, an den Mauern entlang zu segeln, zurückzuführen. Früher wurde er deshalb auch Turmschwalbe genannt. Der wissenschaftliche Name "Apus apus" leitet sich von dem griechischen Wort für "fußlos" ab und ist ein Hinweis auf die kurzen, kaum erkennbaren Stummelfüße des Mauerseglers.

Kennzeichen:

Mit einer Flügelspannweite von über 40 Zentimetern sind Mauersegler erheblich größer als unsere heimischen Schwalben. Sie haben lange, sichelförmige Flügel und einen kurzen, gegabelten Schwanz. Bis auf die grauweiße Kehle ist das gesamte Gefieder bräunlich - bis rußschwarz, wobei Weibchen und Männchen gleich gefärbt sind. Jungvögel sind an der weiß geschuppten Stirn und dem größeren Kehlfleck zu erkennen. Der Schnabel und die Füße sind schwärzlich, die Iris ist tiefbraun.

Lautäußerungen:

Vor allem bei der Balz hört man häufig ein hohes, schrilles, oft gereiht vorgetragenes "srih" oder "sprih". Ein hoher "swir-rir"-Ruf wird von beiden Partnern in unterschiedlicher Höhe am Nest ausgestoßen.

Nahrung:

Mauersegler fressen ausschließlich in der Luft schwebende Insekten und Spinnen, die sie gezielt anfliegen und fangen. Dabei wird der Schnabel erst beim Zugreifen geöffnet. Sie jagen meist in großer Höhe von bis zu 3.000 Metern über der Erde. Die Flughöhe schwankt mit dem Nahrungsangebot. Bei schlechtem Wetter fliegen sie auch flach über dem Grund. In Europa sind als Nahrungstiere u. a. Blattläuse, Käfer, Fliegen und Hautflügler wie Bienen, Wespen oder Ameisen nachgewiesen worden, in Afrika auch schwärmende Termiten. Mauersegler trinken im schnellen, geraden Gleitflug direkt aus Gewässern aller Art.

Brutzeit / Brutdauer:

Die Brutzeit erstreckt sich von Mitte Mai bis Ende Juli. Es gibt nur eine Jahresbrut, aber nach Gelegeverlust oft Ersatzbruten. Die Brutdauer ist abhängig von klimatischen Bedingungen und variiert zwischen 18 (schönes Wetter) und 25 Tagen (schlechtes Wetter).

Nest :

Mauersegler sind Höhlenbrüter an Gebäuden und Felsen, seltener auch in alten Bäumen und Nistkästen. Das flache Nest besteht vor allem aus Halmen, Blättern, Haaren, Federn und ähnlichen leichten Materialien, welche die Mauersegler im Flug aus der Luft aufsammeln und mit ihrem Speichel zusammenkleben.

Gelege:

Mauersegler legen meist zwei bis drei weiße, elliptische Eier.

Entwicklungszeit:

Auch die Entwicklungszeit ist abhängig von klimatischen Bedingungen. Nach dem Schlüpfen vergehen in normalen Jahren etwa 41 Tage bis zum Flüggewerden, bei guten Bedingungen nur 37, bei schlechten aber bis zu 56 Tage. Die Geschlechtsreife wird frühestens am Ende des zweiten Lebensjahres erreicht. Mauersegler können bis zu 20 Jahre alt werden.

Wanderungen:

Mauersegler sind Weitstreckenzieher, die südlich der Sahara überwintern und im Frühling zum Brüten nach Norden ziehen. Anfang bis Mitte Mai, vereinzelt auch schon Ende April, treffen sie in Deutschland ein. Der Wegzug beginnt bereits ab Mitte Juli, hauptsächlich aber Anfang August. Hauptzugzeit ist bis Ende August. Vereinzelte ziehende Mauersegler aus dem Norden werden noch bis Mitte September, in Ausnahmefällen auch später beobachtet.

Lebensraum:

Der Mauersegler war ursprünglich ein Fels- und Baumbrüter. Heute ist er hauptsächlich ein Bewohner menschlicher Siedlungen, wo er in Einzelhöfen, Dörfern und vor allem in Städten mit hohen Gebäuden, wie Wohnblocks, Türmen und Fabriken, vorkommt.

Verbreitung:

Das Verbreitungsgebiet des Mauerseglers erstreckt sich von Nordafrika und Europa bis in den nordöstlichen Teil der Mongolei. Die nördlichsten Brutvorkommen sind in Skandinavien nördlich des Polarkreises beim 70. Breitengrad. Die Brutplätze liegen vorwiegend unter 1.000 Metern Höhe. Die höchsten Brutplätze wurden in den Alpen auf 2.260 Metern festgestellt. Vom Iran bis China kommt die im Freiland kaum zu unterscheidende Unterart Apus apus pekinensis vor.

Bestand und Siedlungsdichte:

Der europäische Bestand wird auf 3,9 bis 4,8 Millionen Brutpaare geschätzt, davon 450.000 bis 900.000 in Deutschland. Als Koloniebrüter kann der Mauersegler lokal hohe Siedlungsdichten erreichen. Je nach Struktur der Bebauung (Plattenbauten, Einzelhöfe, u.a.) gibt es aber erhebliche Unterschiede. Beispiele aus ornithologischen Bestandsermittlungen in Hamburg verdeutlichen dies (Brutpaare (BP) / 10 ha): Innenstadt: 4,2, Blockbebauung: 3,3, Villenviertel 0,9. Bezogen auf ganz Hamburg sind es aber nur 0,7 Brutpaare/10 ha.

Bestandsentwicklung:

Der Baumbrüterbestand westlich der Elbe ist etwa um die Jahrhundertwende (19./20.Jh.) verschwunden. Langfristige, erhebliche Bestandsveränderungen der Gesamtpopulation sind jedoch aus Mitteleuropa bisher nicht bekannt. Drastische lokale Einbrüche, meist auf Grund von Brutplatzverlusten, kommen dagegen häufig vor.

Gefährdung durch

Ein Leben in der Luft Lebensweise

Mauersegler sind wahre Luftakrobaten. Es gibt wohl keinen anderen Vogel in Deutschland, der so gut an das Leben in der Luft angepasst ist wie er. Der Körperbau mit den langen, sichelförmigen Flügeln und dem kurzen, gegabelten Schwanz ermöglicht mit nur wenigen flachen Flügelschlägen einen schnellen, wendigen Gleitflug. Besonders abends in der Nähe der Brutplätze kann man die turbulenten Flugspiele der Vögel beobachten. Mit scharfen "srih, srih, srih"- Rufen jagen sie dann durch die Straßen, oft in kleinen Gruppen, verschwinden hinter Gebäuden, um dann plötzlich im rasanten Flug wieder zu erscheinen.

Nahezu das ganze Mauerseglerleben spielt sich in der Luft ab: Bei der Nahrungssuche verfolgen die Segler gezielt Insekten in der Luft. Auch Wasser zum Trinken wird im Fluge aufgenommen und selbst die Paarung findet oft in der Luft statt. Als Anpassung an das Leben in der Luft haben die Flugkünstler sehr kurze Füße, mit denen sie auf ebener Fläche kaum sitzen und nur mit größten Schwierigkeiten zum Flug abheben können. Deshalb bevorzugen Mauersegler für ihre kurzen Aufenthalte auf der Erde höher gelegene, senkrechte Flächen wie Mauern, Felsen oder Bäume, an denen sie sich festklammern. Mit bloßem Auge zu unterscheiden sind mit ein wenig Übung Mauersegler (1), Rauchschwalbe (2) und Mehlschwalbe (3) im Flug. Auffällig sind beim Mauersegler vor allem seine Größe, der schlanke Körper und die schmalen, sichelförmigen Flügel. Der Flug der Mauersegler ist ein Wechsel zwischen schnellen, tiefen Flügelschlägen und längeren Gleitflugstrecken. Schwalben flattern mehr und schlagen ihre Flügel nach hinten.

Lebensraum Nachbar Mauersegler

Der Mauersegler, ursprünglich ein Felsbrüter, wurde im Laufe der letzten Jahrhunderte immer mehr zum Bewohner menschlicher Siedlungen. Auch die Baumbrüter aus den höhlenreichen Altholzbeständen findet man heute in Mitteleuropa nur noch selten. An Gebäuden dagegen, in denen er geeignete Nistmöglichkeiten findet, fehlt der Mauersegler meist nicht und brütet teilweise noch recht häufig.Mauersegler bauen ihre Nester in hoch gelegenen Nischen und Spalten aller Art, die dunkle Hohlräume mit horizontalem Boden bieten. Diese findet er im Siedlungsraum vor allem unter Dachrinnen, unter Jalousienkästen, in Lüftungssteinen oder Stuck-Hohlräumen. Fehlen diese Gebäudestrukturen, ist der Mauersegler nicht wählerisch und nimmt auch geeignete Nistkästen an. Bei allen Brutplätzen ist für den Luftkünstler ein freier An- und Abflug von entscheidender Bedeutung. Deshalb bevorzugt er hohe Gebäude. Der Mauersegler ist kein Dreckspatz. Viele Menschen fürchten die Mauersegler als Mitbewohner unter ihrem Dach. Sie haben Sorge, dass die Vögel unter ihrem Nistplatz die Hauswände beschmutzen. Doch keine Sorge - im Gegensatz zu den Schwalben hinterlassen Mauersegler keinen Dreck am Brutplatz. Um keine Feinde, wie Marder, anzulocken, reinigen die Eltern das Nest regelmäßig und entsorgen die Ausscheidungen ihrer Küken an einem anderen Ort.

Quelle: http://www.nabu.de/