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Der Kormoran - Vogel des Jahres 2010

Steckbrief

Name:

Der Name „Kormoran“ entstammt einem Kunstwort, dem die lateinische Bezeichnung „Corvus marinus“ zugrunde liegt – zu Deutsch der „Meerrabe“. Er hat Eingang in fast alle Sprachen gefunden, zum Teil mit dem Adjektiv „Großer“, um ihn von der kleineren Krähenscharbe zu unterscheiden. Der wissenschaftliche Name Phalacrocorax ist griechischen Ursprungs und bedeutet „Kahlköpfiger Rabe“. Der Artname carbo (lateinisch: „Kohle“) ist eine Anspielung auf seine Gefiederfarbe.

Verwandschaft:

Der Kormoran gehört zur Ordnung der Ruderfüßer wie auch Pelikane und Basstölpel. Gemeinsam ist ihnen eine Schwimmhaut an den Füßen, die alle vier Zehen – also auch die Hinterzehe – mit einschließt. Damit kann er hervorragend schwimmen und tauchen. Zur Familie der Phalacrocoracidae („Kormorane“) zählen weltweit rund 40 Arten. In Europa sind es neben dem Kormoran noch zwei weitere: Die etwas kleinere Krähenscharbe, die entlang der Küsten vom östlichen Mittelmeer bis Island vorkommt, sowie die Zwergscharbe, die vor allem küstennahe Regionen vom Kaspischen Meer bis zum östlichen Mittelmeer besiedelt, aber auch einige Standorte an der unteren Donau in Ungarn und in Österreich.

Aussehen:

Der Kormoran ist etwa 80 bis 100 Zentimeter groß und wiegt zwischen 1,7 und 3 Kilogramm. Die Weibchen sind etwas kleiner als die Männchen. Der Hals ist lang und kräftig, der Kopf etwas keilförmig. Am Ende des geraden Schnabels befindet sich eine Hakenspitze. Das Gefieder des Kormorans ist überwiegend schwarz und glänzt metallisch. Jungvögel sind an ihrem braunen Gefieder zu erkennen. Im Jugendkleid besitzen die Vögel auch weiße Partien.

Stimme:

Meist verhalten sich Kormorane ruhig. Nur an Brut- und Schlafplätzen geben die Vögel unterschiedliche Laute von sich. Ihre Rufe klingen dabei kehlig und krächzend, zum Beispiel „chroho-chrohochro-ho“. Weibchen rufen auch ein hohes „Flii-flii-flii“.

Nahrung:

Kormorane fressen fast ausschließlich Fische und tauchen oft gemeinsam nach Nahrung. Sie fangen bevorzugt Fische von 10 bis 20 Zentimetern Länge. Nur ausnahmsweise werden auch andere, kleinere Wirbeltiere erbeutet, am Meer gelegentlich auch Krabben und Garnelen.

Fortpflanzung:

Kormorane sind Koloniebrüter, die meist auf höheren Bäumen brüten, häufig zusammen mit Graureihern. Sie legen drei bis vier Eier, die von den Partnern gemeinsam bebrütet werden. Nach 23 bis 29 Tagen schlüpfen die Küken. Ihre Nestlingszeit beträgt sechs bis sieben Wochen. Erst im Alter von zwei Monaten sind sie voll flugfähig.

   
   
   
   
 
Der Baum einer Kormorankolonie
Jungvogel im Flug

Lebensraum und Verbreitung:

Abgesehen von Südamerika ist der Kormoran in allen Erdteilen zu Hause. In Europa sind zwei Rassen heimisch. Phalacrocorax carbo carbo lebt an den felsigen Küsten West- und Nordeuropas. Ph. c. sinensis – die „Festlandsrasse“ – brütet vorwiegend auf Bäumen und hat zwei Verbreitungsschwerpunkte: ein Gebiet von den Niederlanden über Norddeutschland bis ins Baltikum sowie Teile Südosteuropas und des Donauraums. Immer häufiger ist die Art auch im dazwischen gelegenen Binnenland anzutreffen. In Deutschland besiedelt der Kormoran Flüsse und Seen des Binnenlandes sowie die Küsten an Nord- und Ostsee.

Wanderungen:

Je nach Brutort sind Kormorane Teilzieher oder Zugvögel. Die Ostseepopulation zieht über Land und überwintert von Süddeutschland bis Nordafrika. Jungvögel zerstreuen sich schon im Juni und Juli in der weiteren Umgebung. Altvögel verlassen die Brutgebiete im Oktober und November und ziehen von Ende Januar bis März wieder zurück.

Gefährdung:

Intensive Verfolgungen durch den Menschen bringen den Kormoran erneut in Gefahr: Die Maßnahmen reichen vom Fällen der Horstbäume über die Zerstörung von Nestern und Eiern bis zur Vertreibung (Vergrämung) und Tötung durch Abschuss am Brutplatz sowie in Rast- und Überwinterungsgebieten.

Quelle: http://www.nabu.de