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Der Grünspecht - Vogel des Jahres 2014

Steckbrief

Stimme und Aussehen:

Der Grünspecht macht sich besonders durch seinen Gesang und seine Rufe bemerkbar. Sein dynamischer, meist mehrsilbiger Ruf gleicht einem gellenden Lachen: „kjückkjückkjück“. Diesen kann man das ganze Jahr über hören. Er wird oft im Flug geäußert. Zur Balzzeit baut der Grünspecht diesen Ruf zu einer langen lachenden Strophe aus, seinem Gesang: „klüklüklüklüklü“. Diesen trägt er oft ausdauernd mit Pausen von 20 bis 40 Sekunden vor. Der Grünspecht singt, um sein Revier abzustecken und um Weibchen anzulocken. Neben diesem Gesang bringt der Grünspecht nur selten einen der bekannten Trommelwirbel hervor, die bei anderen Spechtarten die Hauptform der Revierabgrenzung darstellen.

Eine feuerrote Kappe und eine schwarze Gesichtsmaske schmücken den Kopf des Grünspechts. Ein roter, schwarz umrandeter Bartstreif schmückt den Kopf des Männchens. Ein durchgängig schwarzer Streif findet sich dagegen im Gesicht des Weibchens, das dem männlichen Grünspecht ansonsten in Schönheit, Farbenpracht, Größe und Gewicht in nichts nachsteht.

Der Grünspecht ist ein echter Hingucker, sofern man ihn entdeckt. Sein Verhalten spiegelt seine Zugehörigkeit zu den Erdspechten wider: Mit abgesenktem Kopf bewegt er sich meist auf dem Boden, gut getarnt durch sein grünes Federkleid samt gelbem Bürzel. Typisch für den Grünspecht ist sein Flug in ausgeprägt bogenförmigen Bahnen. Diese Bögen entstehen, weil der Vogel nach einer kurzen Serie schneller Flügelschläge die Flügel komplett anlegt. Von Kopf bis Schwanz misst er zwischen 30 bis 36 Zentimeter und kommt auf eine Spannweite von 45 bis 51 Zentimeter.

Verbreitung und Bestand:

Der Grünspecht ist ein echter Europäer. Mehr als 90 Prozent seines weltweiten Verbreitungsgebietes befinden sich in Europa. Hier besiedelt er fast den ganzen Kontinent mit Ausnahme von Irland, dem mittleren und nördlichen Skandinavien und den nördlichen und östlichen Teilen des europäischen Russlands. Außerdem brütet er im Kaukasus, in Bergregionen der Türkei und des nördlichen Iran und Irak. Dabei nimmt seine Häufigkeit mit der Strenge der Winter von West nach Ost ab. Mit seiner weitgehend auf unseren Kontinent beschränkten Verbreitung tragen wir als Europäer die wesentliche Verantwortung für den Schutz dieser Art.

Der europäische Bestand des Grünspechts wurde im Jahr 2004 auf gut 860.000 Brutpaare geschätzt. Der Weltbestand ist nur unwesentlich größer. Für den Zeitraum 2005 bis 2009 wurden in Deutschland 42.000 bis 76.000 Brutpaare ermittelt. Sechs bis sieben Prozent des Weltbestandes dieser Art leben damit in Deutschland. Hierzulande ist der Grünspecht die zweithäufigste Spechtart. Der Bestand des häufigsten Spechtes, des Buntspechtes, ist allerdings gleich zehnmal größer.

Laut des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten (DDA) hat der bundesweite Bestand des Grünspechts zwischen 1991 und 2011 um 105 Prozent zugenommen. Europaweit ist er im gleichen Zeitraum um etwa 50 Prozent gewachsen. Dies ist die deutlichste Zunahme unter allen häufigen Vogelarten Deutschlands und eine sehr positive Ausnahme unter den besorgniserregenden Trends der meisten anderen Arten. Der Grünspecht hat derzeit tatsächlich gut lachen.

Der Bestand des Grünspechtes ist jedoch nur bis 2008 kontinuierlich angestiegen. In den drei Folgejahren bis 2011 nahm er wieder um 17 Prozent ab. Vorhandene Daten zeigen, dass der Grünspecht in den letzten zwei Jahrzehnten im Siedlungsraum, in Gärten und Parks zugenommen hat, während sein Bestand im Wald konstant geblieben ist. Interessant ist die unterschiedliche Bestandsentwicklung in verschiedenen Teilen der Republik. So hat der Grünspecht nach dem kalten Winter im Osten 2010/2011 stark abgenommen, während die Bestände im Nordwesten angestiegen sind.

Lebensräume:

Haben Grünspechte einmal ein Revier besetzt, können sie dort ihr Leben verbringen. Die Größe ihrer Reviere schwankt sehr, je nach Ergiebigkeit des Lebensraums von nur etwa drei Hektar bis zu mehreren hundert Hektar. Ein Revier besteht aus Kernzonen mit Höhlenbäumen und Rufstationen auf herausragenden Ästen, Baumwipfeln und umliegenden Nahrungsflächen.

Der Grünspecht ist ein ortstreuer Standvogel und bleibt im Winter in seinem Revier. Unser Jahresvogel legt seine Höhle in dicken hochstämmigen Bäumen an, bei denen der unterste Ast in mindestens 160 Zentimetern Höhe abgeht. Zudem benötigt er reichlich Ameisennahrung in offenem Grünland. Daher lebt dieser Specht ausschließlich in halboffenen Landschaften, einer ökologischen Übergangszone zwischen Wald und Offenland.

Halboffene Waldlandschaften mit ihren Lichtungen und aufgelockerten Waldrändern sind ideale Lebensräume für den Grünspecht. Er lebt daher besonders gerne in Auwäldern und alten Hutewäldern, in denen früher das Vieh zwischen den Bäumen weidete. Heute werden ähnliche Beweidungsformen als Naturschutzmaßnahmen wieder eingeführt.

Den Hutewäldern ähnlich sind strukturreiche Streuobstwiesen, in denen hochstämmige Obstbäume auf extensiv genutzten Wiesen stehen. Diese Wiesen, die mehrmals im Jahr gemäht werden, bergen viele Ameisennester am Boden. Mäht man sie zu oft, gar nicht oder werden sie gedüngt, verschwinden sie als wichtiger Lebensraum. Über die Jahre werden Streuobstwiesen ökologisch wertvoller: Die Bäume verdicken und das Totholz nimmt zu. Das bietet dem Grünspecht bessere Möglichkeiten, seine Bruthöhle anzulegen. Leider verschwindet diese traditionelle Landschaftsform zunehmend aus unseren Gebieten.

Quelle: http://www.nabu.de