NABU-Spachbrücken

Der Haussperling - Vogel des Jahres 2002

 

Steckbrief

Name:

Haussperling, wissenschaftlich Passer domesticus, ein Singvogel aus der Gruppe der Sperlinge, zu der weltweit 36 Arten gehören. In Deutschland leben mit dem Feldsperling und dem ebenfalls zu den Sperlingen zählenden Schneefink nur zwei Verwandte.Kennzeichen: Der 14-16 cm große Vogel fällt besonders durch seinen großen Kopf und den kräftigen Schnabel auf. Männchen und Weibchen des Haussperlings unterscheiden sich in ihrem Aussehen. Mit einer schwarzen Kehle, einem aschgrauen Scheitel, kastanienbraunen Streifen an den Kopfseiten sind die Männchen deutlich auffälliger gezeichnet. Auch durch ihren bräunlichen Rücken mit schwarzen Streifen lassen sich die Männchen leicht von den insgesamt unscheinbareren, matt braun gezeichneten Weibchen unterscheiden. Lautäußerungen: Der Gesang des Haussperlings ist ein eher monotones Tschilpen. Häufig zetert er aber auch "terrteterrterr" oder gibt einfache Warnrufe von sich.Nahrung: Der Haussperling ernährt sich vegetarisch mit einer Vorliebe für Körner und Samen. Besonders in unseren Städten hat sich der Vogel dem Angebot angepasst und gilt dort als Allesfresser. Die Jungen füttert der Haussperling in den ersten Tagen fast ausschließlich mit Raupen und anderer tierischer Nahrung. Brutzeit: Mitte bis Ende April beginnt die Brutsaison. Nicht selten bringt er es auf drei oder sogar vier Bruten pro Saison. Meist in Nischen oder Höhlen, vorzugsweise an Gebäuden oder in Baumhöhlen, baut der Haussperling sein einfaches Nest. Der Spatz lebt gesellig und brütet gerne in Gemeinschaft mit anderen Paaren. Nach 11 bis 13 Tagen schlüpfen zwischen vier und sechs Junge aus den bebrüteten Eiern. Der Haussperling, der nach einem Jahr geschlechtsreif ist, lebt in der Regel in "Dauerehe".Verbreitung: Auf der ganzen Welt, mit Ausnahme weniger Landstriche Südostasiens und Westaustraliens, einiger Regionen am Äquator und rund um die Pole. In Deutschland leben schätzungsweise dreieinhalb bis fünf Millionen Haussperlinge.Gefährdung:

Rückgang der lokalen Bestände durch fehlende Nistmöglichkeiten in Nischen und unter Dächern. Nahrungsmangel wegen Aufgabe von Kleintier- und Pferdehaltung, saubere Dreschmethoden und artenarme Gärten. Durch Versiegelung der Landschaft fehlen Stellen für Staubbäder.

Was tun?: Nachbar Spatz

Dem Haussperling zu helfen und ihm das Leben zu erleichtern, ist gar nicht so schwer. Mit allen Maßnahmen hilft der Mensch auch einer Vielzahl anderer Tiere und tut sich letzten Endes auch noch selbst einen großen Gefallen. Da der Haussperling als Kulturfolger in direkter Nähe des Menschen lebt, konzentrieren sich die Vorschläge auf Gärten und Gebäude in den Siedlungsbereichen von Städten und Dörfern.

Unter dem Stichwort "artenreiche Traumgärten" möchte der Naturschutzbund NABU allen Gärtnern ein paar Tipps für einen naturnahen Garten geben, die dem Haussperling und den anderen Arten seiner Lebensgemeinschaft zugute kommen. Der NABU empfiehlt, wieder verstärkt heimische Stauden und Sträucher in die Gärten zu pflanzen. Dabei kann man sich ruhig an traditionellen Vorbildern orientieren, da es früher durchaus üblich war, den eigenen Garten mit ausgewählten Pflanzen der Region zu bestücken. Der Vorteil heimischer Gewächse liegt in der Tatsache begründet, dass diese Pflanzen viele Insekten anziehen, die auch der Haussperling dringend für die Aufzucht seiner Jungen benötigt. Heimische Sträucher und Bäume sind an unser Klima angepasst und tragen regelmäßig Früchte. Diese kann der Mensch nicht nur selbst zu köstlichen Marmeladen oder Säften weiterverarbeiten, sie sorgen auch bei den Vögeln für einen reich gedeckten Tisch. Häufig stehen die heimischen Sträucher den Exoten in Zierde und Blütenpracht in nichts nach.

Wildstauden, die mit ihren Samen eine Nahrungsgrundlage für viele körnerfressende Vögel bieten, haben zudem den Vorteil, besonders pflegeleicht zu sein. Ob Akelei, Wiesenmargerite oder Großblütige Königskerze - es gibt einige Gartenpflanzen, die für Mensch und Tierwelt gleichsam attraktiv sind. Grundsätzlich gilt, dass ein Garten für den Haussperling und die meisten anderen Tiere unserer Siedlungen attraktiver wird, wenn sich der Mensch hier und da mit seiner Ordnungsliebe ein wenig zurücknimmt. Das kann auch eine Gartenecke sein, die man nach dem Umgraben einfach sich selbst überlässt. Dort stellen sich meist schon nach kurzer Zeit Pionierpflanzen wie Klatschmohn, Huflattich oder Weidenröschen ein. Auch beim Pflanzenschutz können Gärtner mit der Einhaltung weniger Grundregeln dem Spatz helfen. Auf synthetische Gifte sollte man verzichten, weil diese nicht nur Schädlinge sondern auch die anderen Bewohner aus dem Garten vertreiben. Im Nutzgarten haben sich so genannte Mischkulturen als geeignetes Mittel gegen zu starken Schädlingsbefall bewährt. Eine Bepflanzung mit heimischen Stauden und Gehölzen fördert auch die Zahl der Nützlinge im Garten. Marienkäfer, Ohrwürmer oder Schwebfliegen vertilgen Schädlinge auf natürliche Weise.

"Mehr Platz für den Spatz" kann der Mensch selbst in modernen Siedlungen schaffen. Bei Gebäudesanierungen sollten an geeigneter Stelle Nischen und Mauerspalten erhalten werden. Diese benötigt der Haussperling nämlich für den Nestbau. Möglicherweise kann man bei der Planung der Sanierungsmaßnahme bereits Nisthilfen berücksichtigen. Weitere Nistmöglichkeiten für Spatzen und andere Vögel können auch durch begrünte Fassaden geschaffen werden. Ein gutes Beispiel übrigens dafür, dass bessere Bedingungen für "Nachbar Spatz" auch das Wohnklima für den Menschen verbessern können. Selbst die Pflanzung und der Erhalt von ausreichend Bäumen und Hecken in unseren Siedlungsbereichen sind zahlreichen Vögeln und Säugetieren eine Hilfe, weil sie Rückzugsmöglichkeiten und Platz zum Nisten oder Überwintern bieten.


Freund oder Feind: Der Spatz - vom Kulturfolger zum Kulturgut

Die Wahl des Haussperlings zum "Vogel des Jahres 2002" werden hoffentlich bald die Spatzen von den Dächern pfeifen, auf dass es bloß alle erfahren mögen. Der Haussperling, besser als Spatz bekannt, ist dem Menschen in fast jeden Winkel der Erde gefolgt. Daher überrascht es kaum, dass er auch fester Bestandteil von Sprichwörtern oder Redensarten ist und es bis zur Titelfigur in Geschichten und Gedichten gebracht hat. Selbst Wolfgang Amadeus Mozart scheint der "Allerweltsvogel" beeindruckt zu haben, denn eine charakteristische Violinfigur brachte der unter KV220 verzeichneten festlichen Messe den Titel Spatzenmesse ein. Der Spatz hat kein eindeutiges Image: Manchmal ist er klein und unscheinbar, manche halten ihn für diebisch und frech, andere trauen ihm aber auch eine gute Portion Raffinesse zu. Ohne Zweifel handelt es sich beim Haussperling um ein geselliges Wesen. Wer aber aus einem Spatzen eine Nachtigall machen will, ist wohl zum Scheitern verurteilt. Selbst Menschen, die mit Kanonen auf Spatzen schießen, werden von uns eher belächelt, weil sie mit zu großem Aufwand auf Geringfügigkeiten reagieren. War dort vielleicht ein Spatzenhirn am Werke, fragen wir uns dann. Möglicherweise hat die betreffende Person aber auch nur Spatzen im Kopf, was kaum besser als eine "Meise unter dem Pony" sein dürfte. Das Wort Sperling ist aus dem althochdeutschen Wort "sparo" abgeleitet und hängt vermutlich mit dem indogermanischen spar wie "zappeln" zusammen. Doch ein Zappeln werden die wenigsten mit dem kleinen Singvogel verbinden. Auch wenn wir unseren Schatz mitunter "Spatz" nennen, die meisten Bezeichnungen für den Haussperling sind wahrlich keine Kosenamen. Für viele ist der Dreckspatz, der gerne Staubbäder nimmt, ein echter Mistfink, weil er selbst dort noch einen reich gedeckten Tisch vorfindet. Ob Mösche, Ötsch, Lüning oder Leps, trotz der vielen "lokalkolorierten" Namen stand der Haussperling früher gleichbedeutend für einen Korn- oder Speicherdieb, kurz einen frechen Gesellen.

In einem alten deutschen Kindervers wird ungezogenen Kindern humorvoll gedroht: Ich hab´ein bös Kindchen. Wenn´s immer so bleibt, so stell ich´s in Garten, dass´s die Spatzen vertreibt. Bis in die 50er Jahre hat der Mensch aus seiner Geringschätzung für den Haussperling keinen Hehl gemacht und den Singvogel sogar bekämpft. Heute "straft" man ihn eher durch Nichtbeachtung. Auch so manche Redensart und menschlicher Typus scheint durch Nichtbeachtung verloren zu gehen. Wer glaubt denn heute noch, dass jemand Spatzen unter dem Hut hat, nur weil er zu faul oder unerzogen ist, die Kopfbedeckung beim Grüßen abzunehmen? Bei schwierigen Entscheidungen jedoch erinnern sich viele Mitmenschen eines der bekanntesten deutschen Sprichwörter. Anstatt etwas Unerreichbarem nachzulaufen, besinnen sie sich dann darauf, dass ein Spatz in der Hand besser ist, als eine Taube auf dem Dach. Im Englischen bleibt der Sperling verschont, denn es heißt dort allgemeiner: A bird in the hand is worth two on the roof.

Quelle: http://www.nabu.de/