NABU-Spachbrücken

Der Turmfalke - Vogel des Jahres 2007

Steckbrief

Name:

Der Turmfalke bevorzugt hochgelegene Brutplätze. Auf diese Vorliebe ist wohl auch sein Name zurückzuführen. Der wissenschaftliche Name Tinnunculus bedeutet „schellend, klingend“ und hängt mit den charakteristischen Rufen zusammen. Im Schwäbischen wird er auch „Turmweih“ genannt, im Volksmund heißt er häufig „Rüttelfalk“. Kennzeichen:

Männchen und Weibchen unterscheiden sich optisch. Ältere Männchen haben einen hellgrauen Kopf und einen rotbraunen Rücken mit kleinen dunklen Flecken. Der Schwanz ist ebenfalls hellblaugrau mit einer schwarzen Endbinde. Die Unterseite des Körpers ist gelblich mit Längsstreifen und kleinen dunklen Tropfenflecken. Beim Weibchen dagegen sind Kopf, Rücken und Schwanz rostbraun gefärbt mit dichter dunkler Fleckung und Querbänderung. Seine Körperunterseite ist stärker gefleckt als beim Männchen.

Der Turmfalke ist rund 35 Zentimeter groß und gehört damit in Deutschland zu den kleinen Greifvögeln. Seine Spannweite beträgt 75 Zentimeter. Im Flug sind die Vögel an ihren langen spitzen Flügeln zu erkennen und natürlich an ihrem charakteristischen Rüttelflug. Lautäußerungen:

Man erkennt den Turmfalken an seinen hellen, lauten „kikikikiki“- Rufreihen, die er vor allem im Flug ausstößt. Am Brutplatz gibt er leisere Rufe von sich.Nahrung:

Turmfalken ernähren sich vorwiegend von Feldmäusen und anderen Wühlmäusen. Durch die Spezialisierung entsteht eine Abhängigkeit vom Beutevorkommen. Die Bestände der Feldmäuse schwanken von Jahr zu Jahr beträchtlich; in manchen Gebieten gehen sie aufgrund der landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsmethoden stark zurück. Vor allem in Zeiten, in denen Mäuse rar sind, erbeuten Turmfalken im schnellen Sturzoder Verfolgungsflug auch kleinere Vögel. Darüber hinaus stehen Eidechsen und Insekten, vor allem Käfer und Heuschrecken, und gelegentlich Regenwürmer auf der Speisekarte. Die Zusammensetzung ihrer Nahrung lässt sich von Experten gut untersuchen, da Turmfalken, wie alle anderen Greifvögel, unverdauliche Reste der Beute im Magen zu Gewöllen zusammenpressen und dann ausspeien. Brutplatz:

In den Städten nistet der Turmfalke gerne an Kirchtürmen, Masten und anderen hohen Gebäuden mit einer zugänglichen Öffnung oder Nische, die Platz zum Brüten bietet. Im Gebirge, an Felsabbrüchen oder Steinbrüchen dienen Spalten oder kleine Höhlen im Gestein als Brutplätze. Häufig nutzen Turmfalken auch alte Krähen- oder Elsternnester an Waldrändern, in Feldgehölzen oder auf einzeln stehenden Bäumen. Auch Nistkästen an hohen Gebäuden oder Brückenpfeilern werden gerne angenommen.
Brutzeit und Brutdauer:

Turmfalken sind bereits nach einem Jahr geschlechtsreif. Im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr besetzen sie das Brutrevier, das häufig auch als Winterrevier gedient hat. Ein Paar bleibt zumeist ein Leben lang zusammen. Wenn als Brutplatz nicht ein vorhandenes Nest genutzt wird, begnügt sich der Turmfalke mit einer kleinen Mulde, aus der die Eier nicht wegrollen können. Das Weibchen legt zwischen Mitte April und Mitte Mai vier bis sechs Eier und brütet 29 Tage lang. Nachdem die Jungen geschlüpft sind, werden sie gut vier Wochen lang gefüttert. Nachdem sie das Nest verlassen haben, werden sie noch weitere vier Wochen von den Eltern begleitet und gefüttert. Danach verlassen sie ihren Geburtsort und suchen sich ein eigenes Revier. Standvogel:

Die Turmfalken bei uns in Mitteleuropa sind überwiegend Standvögel. Sie bleiben ganzjährig in einem Gebiet, das recht groß sein kann. Manche Vögel ziehen allerdings am Ende des Sommers in den wärmeren Süden, zum Teil bis nach Nordafrika. Turmfalken aus Nord- und Osteuropa tauchen dagegen im Winter gelegentlich in Deutschland auf. Insbesondere auf den offenen Höhenflächen der Mittelgebirge sind im Winter häufig Turmfalken zu sehen, während man sie dort im Sommerhalbjahr vergeblich sucht. Lebensraum:

Der Turmfalke zählt als ursprünglicher Felsbewohner zu den wenigen Gewinnern der Urbanisierung. Türme, hohe Häuser und Scheunen haben ihm einen zusätzlichen Lebensraum eröffnet. Da er auch viele andere Lebensraumtypen, vor allem Waldränder, besiedeln kann, ist der Turmfalke in Deutschland und in ganz Europa relativ häufig anzutreffen. Zum Jagen benötigt der Turmfalke offene Flächen mit niedriger Vegetation. Nicht selten sieht man ihn auch an Straßenböschungen oder steilen Hängen.

Verbreitung:

In Deutschland leben knapp 50.000 Turmfalken-Paare, im gesamten Mitteleuropa nur rund 90.000 Brutpaare. Wir tragen also Verantwortung für den Erhalt dieser Art. In Europa gibt es insgesamt etwa 350.000 Brutpaare. Der Turmfalke ist damit die häufigste Falkenart in Europa.

Bestand und Siedlungsgeschichte:


In den letzten 30 Jahren wurden für zahlreiche Gebiete Mittel- und Nord-Ost-Europas mäßige bis starke Bestandsrückgänge gemeldet mit einem
Tiefststand in den 80er Jahren. Die stärksten Abnahmen von bis zu 50 Prozent verzeichnen Russland, England und Frankreich. Die Siedlungsdichte hängt vom Angebot geeigneter Nistplätze und von der Nahrungssituation ab. Deshalb schwanken Angaben über die Bestandsdichten sehr und liegen zwischen drei bis 90 Brutpaare je 100 Quadratkilometern. Das Jagdrevier des Turmfalken umfasst rund 200 Hektar.

Was tun?
Maßnahmen zum Schutz des Turmfalken

Turmfalken kann man heute noch häufig und gut beobachten. Doch die Bestände gehen zusammen mit dem Nahrungsangebot, den Nistmöglichkeiten und dem Lebensraum langsam, aber stetig zurück. Damit auch folgende Generationen ihre Freude an diesem interessanten Vogel haben, gilt es jetzt Maßnahmen für die Zukunft des Turmfalken und anderer Greifvögel zu ergreifen. Kirchtürme, alte Scheunen und Hausspeicher werden oft ohne Rücksicht auf Nistmöglichkeiten für Vögel saniert. Sind alle Einschlupf- und Nistmöglichkeiten erst einmal abgedichtet, findet sich kein Platz mehr für Turmfalke und Co. Dabei sind gerade Kirchtürme für Turmfalken beliebte Nistplätze. Wer den Turmfalken unterstützen will, kann beim „Lebensraum Kirchturm“ ansetzen und Pastor, Kirchenvorstand und Gemeindereferent über die Zusammenhänge informieren. Häufig wird er dabei auf Verbündete stoßen, denn viele kirchliche Gemeinden engagieren sich aus Überzeugung für die Bewahrung der Schöpfung. Turmfalken nutzen auch Strommasten als Rastmöglichkeit. Beides birgt tödliche Gefahren. Stromtod und Straßentod gehören heute zu den häufigen Todesursachen für Turmfalken. Die Fertigung so genannter Sitzkrücken als Jagdwarten kann Abhilfe schaffen. Derartige Ansitze platziert man am besten dort, wo viele Mäuse zu erwarten sind, also zum Beispiel in der Nähe von Scheunen.
Die Bereitstellung von Nisthilfen und Sitzkrücken ist nur ein Teil dessen, was zur Stabilisierung der Turmfalken-Bestände getan werden kann. Langfristig gesehen brauchen Turmfalken offene Landschaften mit einem ausreichenden Nahrungsangebot. Landwirtschaftliche Flächen, die ohne Pestizide und Insektizide bewirtschaftet werden, haben eine höhere Artenvielfalt als konventionell bewirtschaftete Flächen. Sie bieten Lebensraum für Kleinsäuger, die Nahrungsgrundlage für den Turmfalken und viele andere Vogelarten sind. Da Turmfalken häufig auch alte Krähen- oder Elsternester nutzen, schafft gleichzeitig der Schutz von Krähen, Elstern und ihren Nestern außerdem Brutmöglichkeiten an Waldrändern und in Feldgehölzen. Die Erhaltung und Neuanlage von Hecken sind deshalb ebenfalls wichtige Maßnahmen für den Turmfalken.

Quelle: http://www.nabu.de